Monatsarchive: Dezember 2010

Frohe Weihnachten….

Das Engelein und die Weihnacht
Daniela Brotsack

Eines schönen Wintertags – die Helligkeit verschwand nach und nach – stahl sich eines der Engelein vom Himmel fort. Es wollte unbedingt in die festlich erleuchteten Fenster der Menschenhäuser sehen. Denn es war Adventszeit und das Engelein hatte schon so viel schönes darüber gehört.

Im Sturzflug raste es gen Erde und stieß prompt mit einem Uhu zusammen, der gerade zur Jagd auszog, „Potzblitz, kannst Du nicht aufpassen?“ schimpfte der gefiederte Geselle, bevor diesem die Sinne schwanden.

Beide trudelten zwischen den Bäumen nach unten und landeten in einer Schneewehe. Trotz der abgefederten Landung spürte das Engelein, es hieß Flock, einen Schmerz im linken Flügel. „Oh weh, ich glaube, ich habe mir einen Flügel angebrochen.“ Es machte ein paar Versuche, zu flattern. „Das tut zu weh. Ich kann nicht fliegen.“

Die Uhu-Dame war inzwischen wieder auf den Beinen. „Das hätte nicht sein müssen. Man muss jederzeit damit rechnen, dass andere auch unterwegs sind. Also: Augen auf im Flugverkehr!“ Sie schimpfte aber nur kurz mit Flock und besah sich dann seinen Flügel.

„Sieht nicht gut aus. Komm mit. Du kannst ja noch laufen. Ich fliege vor.“ Und so bahnte sich das ungleiche Paar einen Weg durch den verschneiten Wald.

Eine kleine Höhle war ihr Ziel – das Wald-Lazarett. Hierher kamen alle verletzten Tiere. Flock sah ein Reh, einen Dachs, ein Eichkätzchen, einen Fuchs und zahlreiche Vögel verschiedenster Gattungen.[singlepic id=554 w=320 h=240 float=]

Versorgt wurden alle von einem Engel. „Das ist Hildegard. Sie pflegt alle kranken Tiere des Waldes. Egal, welche Gattung, alle finden sie hier Unterschlupf. Es ist bei Todesstrafe verboten, sich hier gegenseitig anzugreifen. Daher kommt es auch, dass das Reh ganz ruhig neben der Füchsin liegt. Bis gestern hatten wir auch einen Wolf hier. Aber den haben wir heute entlassen.“

Flocks Flügel wurde von Hildegard untersucht. „Flugunfähig bis auf weiteres“ hieß die Diagnose. Aber der Verletzte Himmelsbewohner half Hildegard. Gehen konnte er ja und untätig herumsitzen ist für einen Engel nichts.

Er ließ sich von den Tieren deren Erlebnisse mit Menschen erzählen. Die Füchsin wusste sogar über die Weihnachtszeit Bescheid. „An einem bestimmten Abend im Winter gehen alle Menschen in die Kirchen. Alles ist festlich beleuchtet und geschmückt. Die Menschen singen Lieder und sind ganz friedlich. An den beiden folgenden Tagen müssen wir keinen Jäger fürchten. Ein alter Kauz bestätigte die Geschichte. „Ja, das sind die einzigen wirklich friedlichen Tage im Jahr. Der Kirchen- Abend kommt bald. Wenn Du dann noch hier bist, kannst du es selbst beobachten.“

Flock’s Flügel wurde bald besser. Hildegard meinte, in ein paar Tagen wäre er wieder flugfähig. Am Heiligen Abend waren die meisten Tiere wieder fit und beschlossen, gemeinsam zum nächsten Ort zu gehen. Das Rehlein nahm das Eichhörnchen auf seinen Rücken und die Füchsin und der Dachs hatten je eine Maus als Reiterin. Ein paar der Vögel konnten selbst fliegen, und den Rest trugen Hildegard und Flock.

So zog die eigenartige Prozession los. In Kirchen-Nähe beobachteten die Tiere die Menschen. Während der Messe kamen sie näher und lauschten den schönen Gesängen.

Auch nach der Messe waren die beiden Engel mit den Tieren noch lange unterwegs. Sie entdeckten in den Stuben der Häuser geschmückte Tannenbäume und Lichter. Sie sahen Geschenke unter den Bäumen liegen und alles gefiel ihnen wunderbar.

In derselben Nacht noch machte sich Flock wieder auf den Rückweg in den Himmel. Es hatte ihm sehr gut gefallen auf der Erde und vor allem die Vögel wollte er bald wieder besuchen.

Am nächsten Morgen war der Pfarrer ganz erstaunt, als er die verschiedenen Fährten vor seiner Kirche sah. Er war sicher: Dies war eine heilige Nacht, in der sogar die Tiere friedlich zusammen lebten.

[singlepic id=553 w=320 h=240 float=center]*Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht –
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.*

Bild des Monats Dezember ’10

….. winterlicher Sonnenaufgang, heute morgen vor meiner Tür…

PS: @Torsten.. ja ich hab es selbst geschossen 😉 heute früh bei sehr kalten -16°C *grins*

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